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künstliche Intelligenz

„Wer jetzt nicht aufpasst, kann schnell überholt werden!“

Sepp Hochreiter
Sepp Hochreiter
Sepp Hochreiter © Foto: JKU

Der Informatiker Sepp Hochreiter leitet das „Institut für Machine Learning“ an der Linzer Kepleruniversität. Er legt Betrieben nahe, künstliche Intelligenz zu nutzen, um nicht vom Markt verdrängt zu werden.

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Univ.-Prof. Dr. Sepp Hochreiter

Leiter des Instituts Machine Learning an der JKU Linz © Foto: JKU

Sie haben die Technologie Long Short Termin Memory (LSTM) erfunden. Das war ein großer Durchbruch. Die Basis dafür sind künstliche, neuronale Netze, die dem Gehirn nachempfunden sind. (Stichwort: Spracherkennung.) Gibt es neben großen IT-Konzernen wie Google auch heimische Firmen, die diese Technologie verwenden?

Ja, Finanzfirmen verwenden sie zum Beispiel, um Vorhersagen auf dem Finanzmarkt zu machen. Andere Firmen analysieren Twitter-Nachrichten damit. Mein Forschungsgebiet ist aber viel breiter. Ein einfaches Beispiel für den Einsatz von künstlicher Intelligenz ist die Qualitätskontrolle in der Industrie: Mithilfe von neuronalen Netzen lässt sich etwa Metall visuell begutachten. Fehler werden so rascher erkannt.

Welches Potenzial sehen Sie in der künstlichen Intelligenz für heimische Industrieunternehmen und Produzenten?

Ich versuche den Firmen gerade klarzumachen: Bitte vermasselt das nicht. Wer jetzt nicht aufpasst, kann schnell überholt werden. IT-Konzerne wie Google haben die Einstellung: Das Bisschen Ingenieurwesen kaufen wir uns zu. Wichtig ist für sie das Optimieren der Produktionsprozesse und das richtige Marketing – und zwar mittels künstlicher Intelligenz.

Die Region Österreich-Bayern ist sehr stark im Anlagen- und Maschinenbau. Sich das aus der Hand nehmen zu lassen, wäre fatal. Man sieht ja in der Automobilindustrie, dass die IT erfolgreich in Branchen vorstößt, die eigentlich von anderen besetzt sind.

Heimische Betriebe sollten sich also wappnen und die nötigen KI-Technologien selbst in die Hand nehmen?

Das Problem ist: Viele Betriebe hier verkaufen Maschinen ohne KI-Technologie. Das ist sehr riskant. Beispiel Bohrmaschine: In so ein Gerät kann man heute Sensoren einbauen, die wichtige Informationen über die Kunden, die Verwendung und die Nutzung liefern. Wenn die meisten Menschen zum Beispiel beim Bohren zu stark andrücken, gehört möglicherweise einfach eine andere Federung eingebaut. Durch KI-Technologie lässt sich das leicht herausfinden und ändern.

Die Koryphäe im Bereich der künstlichen Intelligenz – Der Informatiker Sepp Hochreiter hat die Grundlage für den Durchbruch von künstlicher Intelligenz geschaffen. Seit 2006 ist er Vorstand des Instituts für Bioinformatik an der Universität Linz, an dem er seit 2017 auch das Labor für Artificial Intelligence (AI LAB) am Linz Institute of Technology (LIT) leitet. © Foto: JKU

Gibt es bereits erste österreichische Betriebe, die sich für künstliche Intelligenz interessieren?

Zahlreiche Firmen versuchen aktuell, in dieses Feld zu gehen. Momentan mache ich sehr viel Entwicklungsarbeit. Oft wissen Unternehmen gar nicht, wofür sie KI in Ihrem Betrieb brauchen könnten. Meine Botschaft ist: Schaut, dass ihr Sensoren in eure Geräte einbaut.

So könnt ihr Daten sammeln, analysieren und eure Geräte intelligenter machen. KI kann helfen, den gesamten Produktionsprozess sowie die Logistik zu optimieren. Natürlich brauchen die Firmen auch MitarbeiterInnen, die die Expertise haben, die gesammelten Daten in Entscheidungen umzumünzen.

Was raten Sie den Betrieben konkret?

IT-Firmen wie Google oder Apple ziehen sich die Daten vom Handy und analysieren diese. Die Industrie nutzt aktuell die Möglichkeiten noch nicht, Daten über die von ihnen verkauften Maschinen zu generieren und sinnvoll einzusetzen. Aber es ist wichtig zu wissen, was der Kunde damit macht, wie er ein Produkt benützt, ob es einen Mangel gibt oder ob es Wartung braucht.

Routinejobs gehen durch die Digitalisierung verloren. Werden auch Führungskräfte künftig von Computern ersetzt werden?

Studien zeigen, dass die KI-Technologie bis jetzt mehr Arbeitsplätze geschaffen als abgebaut hat. Und ja, Firmen, die für Unternehmensentscheidungen künftig keine KI einsetzen, werden nicht überleben. Das heißt nicht, dass die künstliche Intelligenz über alles bestimmt.

Es muss nach wie vor jemanden geben, der die Richtung vorgibt und Ziele setzt. Aber die künstliche Intelligenz kann dabei genutzt werden. Sie sagt voraus, welche Strategie zur Erreichung eines bestimmen Ziels am besten geeignet ist. Sie liefert also die Grundlage für den Menschen, um Entscheidungen zu treffen.

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