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Cider

Landwirtschaft hinter den Kulissen

Foto: Kühbreinmost

Die Jungbauern Peter und David Kargl im Interview über die Entwicklungen in der Landwirtschaft:

Ihr habt als erster Cider aus Österreich den Titel als „World’s best Sparkling Cider“ bekommen. Wie steinig war der Weg dorthin?

Es war ein relativ langer Weg. Wir haben mit der Mostproduktion vor 10 Jahren begonnen und irgendwann ist das Thema Cider aufgepoppt. Das war lange bevor es einen Hype bekommen hat. Wir haben die ersten Cider vor 6–7 Jahren auf den Markt gebracht, da war das noch nicht so groß. Wir haben damals schon gesehen, dass wir das in unserem Portfolio benötigen und dass die Jugend es als eine Alternative zu Bier und Wein sieht. Es ist für uns eine Hilfe, quasi ein Schritt in die Tür, den wir uns erarbeitet haben. Wir wollten wissen, wo wir mit unserem Cider international stehen und haben uns dann angemeldet. Wir hatten international gar keinen Vergleichswert. Es war eine mega Überraschung, dass unser Cider als erster österreichischer Cider international gewinnt. Das ist auch eine großartige Bestätigung für unser Produkt. 

Cider frisch aus dem Fass | Foto: Kühbreinmost

Nachhaltigkeit ist ganz klar das Kernthema der Landwirtschaft. Wie setzt ihr das in eurem Betrieb um?

KühbreinMost: Ich finde, Nachhaltigkeit sollte man zweiseitig betrachten. Einerseits die Nachhaltigkeitskomponente, die von allen Seiten ausgeschlachtet wird. Natürlich versuchen wir Plastik so gut es geht zu minimieren und zu eliminieren. 70 % von unseren Flaschen werden wiederverwertet. Wir setzten auf Glas & Kartonverpackungen. Ich finde, jeder Produktionsbetrieb sollte sich mit diesem Thema auseinandersetzen. Das andere Thema ist, Nachhaltigkeit so zu sehen, dass jeder Betrieb auf sich selber schauen soll. Das heißt, dass ich schauen muss, dass es mich in Zukunft noch gibt. Nachhaltigkeit so zu sehen, dass ich einen Kompromiss finden muss zwischen umweltfreundlicher Produktion und Wirtschaftlichkeit. 

Milchwirtschaft: Man muss sich zuerst die Frage stellen, warum nicht jeder Betrieb im Umgang mit Tier und Natur sehr nachhaltig wirtschaften kann. Zuerst wird am Markt verlangt, dass billig produziert wird und das kann man in den meisten Unternehmen sehr gut umsetzen. Aber eben dann nicht mehr, wenn man sagt, man arbeitet mit der Natur und mit Tieren zusammen. Wenn man so auf den Bauern den Druck ausübt, dass er billiger produzieren soll, dann bedeutet dies automatisch auch, dass er weniger nachhaltig wirtschaften kann. Er schaut damit weniger auf die Tiergesundheit, da er weniger Minuten im Stall verbringt. Und auch die Milch wird mit so wenig Zeit wie möglich produziert, dass die Kosten gering sind und dass dann auch seine Zeit besser bezahlt wird, da er mehr Milch in dieser Zeit rausgeholt hat. Das sind ungefähr 10.000–12.000 Liter Produktionsmenge im Jahr und das schlägt sich dann wieder auf die Gesundheit des Tieres und auf den gesamten Kreislauf des Hofes aus. D. h., das ist das Problemfeld und wir versuchen hier, das Tier nicht auf das Letzte auszunutzen und eine Balance zu finden zwischen Leistung und Wohlfühlen des Tieres. Wir möchten die Lebensdauer jedes unserer Tiere verlängern. 

Am besten ist, wenn man alles, dass sich in dem Kreislauf deines Betriebes befindet, nutzt und  verwendet. Für die Forstwirtschaft bedeutet dies, dass man versucht, nur ganz kleine Flächen an Holzeinschlag zu machen und Roden zu vermeiden. 

Immer mehr Konsumenten fordern Bio-Produkte. Die Realität sieht aber, vor allem in der Gastronomie, anders aus. Was muss hier passieren?

Ich glaube vor allem in der Gastronomie muss man sich alle drei Parteien zu Herzen nehmen: Gastwirt, Konsument und Landwirt. Zuerst muss der Konsument Bio-Produkte wollen, die dann der Gastwirt umsetzen und anbieten wird. Aber der Gastwirt kann dies nur umsetzen, wenn er bestimmte Betriebe hat, welche die Bio-Produkte liefern können. Wir haben genug Beispiele, wo der Gastwirt sagt „Wir möchten gerne Bio anbieten, aber es ist schwer, von Landwirten eine Liefergarantie zu erhalten“. Alle drei müssen und sollten zusammenspielen, um dies zu ermöglichen. Es ist auch wichtig, dass wir nicht zwischen Bio- und konventionellem Fleisch unterscheiden, denn das wird dann ein Konkurrenzdenken zwischen den Landwirten. Der erste und wichtigste Schritt ist hier die Transparenz. 

Das Vermeiden von Tierleid wird immer wichtiger, Stichwort „stressfreie Schlachtung“. Wie praktikabel ist das in der Realität? Gibt es bereits Projekte in diese Richtung? Wie kann die Regierung dieser Forderung nachkommen?

Stressfreie Schlachtung ist ein großes Thema. Dieser Stress für die Tiere vor und während der Schlachtung kann sich natürlich auch auf die Qualität des Fleisches auswirken. Das kann man nur dann feststellen, wenn man stressfreies Fleisch kauft, so wie es bei uns am Hof verfügbar ist. Es gibt kleinräumige Bauerninitiativen, die sich bemühen, Wege zu finden, um eine stressfreie Schlachtung zu ermöglichen. Da gibt es z. B. eine bekannte Initiative von Bauern, die versucht haben, dies mit einem Schlachthänger durchzuführen, wofür sie dann auch eine Genehmigung bekommen haben. Wenn wir als Gesellschaft wollen, dass unsere Tiere und das Fleisch, das wir essen, stressfrei geschlachtet werden sollen, dann muss man groß denken. Da können wir uns ein Beispiel an unseren Nachbarn der Schweiz und Deutschland nehmen, wo die Weideschlachtung erlaubt ist. Natürlich muss dies mit den Hygienestandards einhergehen. Es braucht hier einen gesetzlichen Weg, damit das viele Betriebe machen können. Die Lösung wäre nur, gesetzliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die eine Hof- oder Weideschlachtung erlauben. Dies ist mit Abstand die schonendste und stressfreiste Schlachtung, die es gibt. 

Durch diese stressfreie Schlachtung gibt man dem Tier die Würde, die es verdient. Es ist auch für jeden Menschen ein Vorteil, wenn man Fleisch konsumieren kann, das nicht unter Stress geschlachtet wurde. 

Was sind Themen, die die Landwirtschaft in Zukunft noch stärker beschäftigen werden? Wohin wollt ihr euren Betrieb entwickeln bzw. was ratet ihr allen jungen Landwirtinnen und Landwirten?

Transparenz ist das Hauptthema, dessen sich die Landwirtschaft am meisten annehmen sollte. Denn wenn ich transparent arbeite, dann habe ich den Konsumenten sofort gebunden. Wenn der Konsument jeden Arbeitsschritt sehen kann, den der Landwirt macht, dann schätzt er die Arbeit mehr und dann ist er auch gern bereit, mehr zu zahlen. Transparente Produktion ist ein Thema der Zukunft. Es gibt schon viele kleine Direktvermarkter, wo der Konsument jeden Schritt nachverfolgen kann. Bei unserer Mostproduktion ist das ein großes Thema. Es hat keiner gewusst, wie modern Most oder Cider produziert wird. Unser großes Ziel war, so viele Menschen wie möglich auf unseren Betrieb zu bringen, um ihnen eine transparente Produktion sichtbar zu machen. 

Dazu kommt: „Die Krise als Chance zu sehen“ wurde oft gesagt, aber es steckt auch viel Wahrheit dahinter. Vor allem im Bereich der Digitalisierung, wo in der Landwirtschaft noch ein enormer Bedarf notwendig ist. Das Wichtigste für die Landwirtschaft der Zukunft ist, dass die Landwirte mehr zu ihrem Job stehen und sich neue kreative Ansätze überlegen, wie sie ihre Produkte anbringen. Wir werden sicher weggehen müssen von dieser Abliefermentalität. Man weiß, wo es herkommt, und der Landwirt kennt seine Konsumenten. Somit entsteht auch hohe Qualität. 

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