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Einkauf als Moderator der Schnittstellen

Aerial view of semi trucks during unloading and a large storehouse with solar panels on the rooftop.
Aerial view of semi trucks during unloading and a large storehouse with solar panels on the rooftop.
iStock/Bim

Vom Einkauf als Wertschöpfungspartner Nummer 1 im Unternehmen und Kommunikator zwischen Kundenwunsch und Beschaffungsmarkt werden signifikante Beiträge zur Wertschöpfung der Unternehmen erwartet.

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Dkfm. Heinz Pechek

Geschäftsführender Vorstand, BMÖ Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik in Österreich © Foto: BMÖ

Einkauf 4.0 bedeutet einen Wandel in Prozessen und Köpfen. Software wird die meisten analogen Tätigkeiten (zeitaufwendig, fehleranfällig) in operativen Bereichen Zug um Zug ersetzen. Derzeit sind viele Organisationen mit Transformation beschäftigt, um signifikant mehr Zeit für wertschöpfende, strategische Aktivitäten zu schaffen. Digitalisierte Fertigungsverfahren von der Serie bis zur individuellen Losgröße 1 machen neue Anforderungsprofile erforderlich. Neue Kommunikations- und Kollaborationsmodelle mit wechselnden Beteiligten rücken in den Fokus. Der Einkauf als Moderator der Schnittstellen hat auch strategische Lieferanten hinsichtlich erweiterter technologischer und rechtlicher Voraussetzungen entlang der Kette „Lieferant-Produzent-Kunde“ intellektuell zu fordern.

Komplexe Anforderungen an Daten, Datenkommunikation und IT erfordern spezielle Verträge und damit Gewährleistungs- und Schadenersatzregelungen, die an die Erfordernisse der Kommunikation Maschine-Maschine angepasst werden müssen. So wird sich beispielsweise ein „Big Data Purchasing Expert“ in Zukunft mit Risikomanagement aus vertraglicher und technologischer Sicht beschäftigen. Einkäufer müssen das bereits heute geforderte ausgeprägte technologische Expertenwissen um Informatikverständnis erweitern.

Erfolg wird auch von praktikablen IT-Lösungen abhängen. Noch behindert in den Unternehmen ein Dickicht an unterschiedlichen Systemen und singulären Tools die Harmonisierung von Prozessen. Es fehlen verlässliche Standards. Zwar gibt es mittlerweile Lösungen, die den Einkauf, seine internen Kunden und die Finanzabteilung beim End-to-End-Prozess vom Bedarf bis zur Zahlung (Source-to-Pay) medienbruchfrei unterstützen. Aber: Proaktive Gesamtlösungen, die eine Konvergenz der Systeme im Unternehmen herbeiführen, sind noch Zukunftsmusik.

Aufgeschlossene Einkaufsführungskräfte sehen ihre Aufgabe auch darin, Entwicklern bzw. Anbietern Input über Strategien und daraus abzuleitende Parameter zu geben. Belastbare Informationen und Auswertungen in Echtzeit sind in Zukunft unerlässlich. Die neuen Korrelationen werden aus einer Vielzahl an Quellen enorme Datenströme generieren, die es sinnvoll, bedarfs- und projektbezogen zu kanalisieren gilt. Rechtliche Rahmenbedingungen sind weiterzuentwickeln. Die Palette der Aktionsbereiche ist breit. Der Einkauf bietet zunehmend attraktive Berufsbilder.

Am Einkauf führt auch in Zukunft kein Weg vorbei. Unternehmen sollten durch breite Information und Einbindung relevanter Abteilungen Anforderungen an Mensch und Technik sowie künftige Geschäftsmodelle in Zirkeln offen diskutieren, Ziele und Schulungsmaßnahmen definieren. Der BMÖ begleitet – neben seinen klassischen Aufgaben wie Vernetzung und Qualifizierung via Seminarpalette und berufsbegleitenden Maßnahmen – mit seiner „Task Force Einkauf 4.0“ auch Prozesse rund um Digitalisierung und leitet Handlungsoptionen ab.

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