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Landwirtschaft

Unsere Bäuerinnen und Bauern – von Klimaopfern zur Klimahoffnung

Foto: Bauernbund

Neben dem Ukraine-Krieg ist der Kampf gegen den Klimawandel eine der größten Herausforderungen, mit der wir uns weltweit und insbesondere in der Land- und Forstwirtschaft konfrontiert sehen. Wer seinen oder ihren Arbeitsplatz unter freiem Himmel hat, ist als Erste:r betroffen. Die Klimaerwärmung trifft heimische Äcker, Wiesen und Wälder mit voller Wucht. Und spätestens seit dem drohenden Ausfall der russischen und ukrainischen Exporte rückt auch die Versorgungssicherheit in den Fokus der Klimadebatte. „Der Kampf gegen den Klimawandel und eine ausreichende Lebensmittelproduktion sind kein Widerspruch, sondern viel mehr in Einklang zu bringen“, ist Bauernbund-Präsident Georg Strasser überzeugt. Denn auch der Klimawandel gefährde die Versorgungssicherheit, was sich mit eigenen Augen bereits beobachten lässt. 

Karin Metz

Bäuerin
Foto: Bauernbund

Karin Metz baut gemeinsam mit ihrer Familie im Mostviertel über 150 verschiedene Kürbissorten an. Die Bäuerin gehört zu jenen Menschen, die die Auswirkungen bereits spüren: „Früher war es im März noch kalt. Der Forst speicherte das Wasser und lockerte den Boden auf – was essenziell für die Bodenfruchtbarkeit ist. Jetzt bleibt der Frost aber weitgehend aus, denn es ist viel zu warm für diese Jahreszeit. Hitzewellen, Starkregen und eine massive Trocken-heit, wie wir sie jetzt gerade erleben, nehmen zu. All das vermindert die Ernteerträge auf meinen Feldern.“ Gelingt es uns nicht, dem Klimawandel gegenzusteuern, werden die Auswirkungen auf die Land- und Forstwirtschaft und in weiterer Folge auch auf die Versorgungssicherheit dramatisch sein.

Georg Strasser

Bauernbund-Präsident
Foto: Bauernbund

Strasser, selbst Landwirt, meint, jede Herausforderung birge auch Chancen: „Wir Bäuerinnen und Bauern sind nicht nur Opfer dieser Entwicklung sondern auch Hoffnungsträger:innen im Kampf gegen die Erderwärmung. Unsere Flächen und Ressourcen sind das Fundament für die Erzeugung von erneuerbaren Energien; genauso, wie ausschließlich eine aktive Bewirtschaftung des Bodens, der Wälder und unserer Höfe uns langfristig Eigenversorgung mit Lebensmitteln garantieren kann.“ Österreichs Landwirtschaft ist bereits auf einem guten Weg: Seit 1990 konnte der Ausstoß an Treibhausgasen um 16,3 Prozent reduziert werden. „Wir sind aber auch gerüstet, in Zukunft einen noch entscheidenderen Beitrag zu leisten,“ bekräftigt Strasser den Willen der Bäuerinnen und Bauern. 

Wir sind aber auch gerüstet, in Zukunft einen noch entscheidenderen Beitrag zu leisten.

Georg Strasser

„Die Landwirtschaft ist der einzige Sektor, der CO2 aus der Atmosphäre entziehen und im Boden speichern kann – etwa durch Humusaufbau oder Biomasse wie Holz. Alle anderen Sektoren, wie Verkehr oder Industrie, sind reine Emittentinnen von Treibhausgasen. Wir sollten daher über eine finanzielle Abgeltung dieser Leistungen sprechen“, so Strasser. Ein Zertifizierungssystem könnte hier die Lösung sein. Das sogenannte „Carbon Farming“ soll europaweit ausgerollt werden, einen Gesetzesvorschlag dazu kündigte die EU-Kommission für Ende 2022 an. Darin sehe Strasser nicht nur eine zusätzliche Einkommensquelle für die Familien von Bäuerinnen und Bauern, sondern auch eine Möglichkeit, mehr CO2 im Boden zu speichern und so der Klimaneutralität näher zu kommen.

Klar ist für den Bauernbund-Präsidenten aber auch, dass der Klimawandel nicht an den Grenzen Österreichs haltmache. Es brauche ein Zusammenwirken aller Kräfte auf globaler, europäischer und nationaler Ebene, wie er bekräftigt. Die Weichen für eine grüne Zukunft werden daher auch in Brüssel gestellt. 

2023 startet die Europäische Union in eine neue Periode der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP). In Einklang mit den durchaus ambitionierten Klimazielen des Green Deals werden die Anforderungen auch an Österreichs Bäuerinnen und Bauern deutlich höher. „Sowohl die Direktzahlungen als auch das Agrarumweltprogramm ÖPUL ermöglichen jedem Betrieb eine individuelle Lösung für eine nachhaltigere, standortgebundene Landwirtschaft.“ Und tatsächlich weist die neue GAP eine grünere Note auf: „Das ÖPUL-Budget wird um 30 Prozent erhöht, die europaweite Vorreiterrolle Österreichs in der biologischen Landwirtschaft ausgebaut. Ziel bis 2030 ist ein Bioanteil von 30 Prozent“, erklärt Strasser. 

Das ÖPUL-Budget wird um 30 Prozent erhöht, die europaweite Vorreiterrolle Österreichs in der biologischen Landwirtschaft ausgebaut. Ziel bis 2030 ist ein Bio-Anteil von 30 Prozent.

Georg Strasser

Ein weiterer Schritt in Richtung großflächiger Klimaschutz ist das Investitionsprogramm „Energieautarke Bauernhöfe“. Ab 2030 sollen 100 Prozent des Stromes aus erneuerbarer Energie stammen. Dazu beitragen sollen möglichst viele energieautarke Höfe von Bäuerinnen und Bauern, die Strom etwa aus Photovoltaik-anlagen auf Stalldächern erzeugen. 

Bäuerin Karin Metz blickt trotz der veränderten klimatischen Bedingungen optimistisch in Zukunft. Sie wird nun noch stärker als bisher auf Fruchtfolge, humusbildende Maßnahmen und resistentere Sorten setzen. Das kostet aber auch mehr, zieht der Bauernbund-Präsident Bilanz: „Bäuerinnen und Bauern spielen eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel. Den Weg zu mehr Klimaschutz und Artenvielfalt unter Bewahrung der Versorgungssicherheit können sie aber nicht alleine gehen. Mehr Leistung für weniger Geld geht sich nicht aus – mit roten Zahlen ist es schwer, grüner zu werden. Es braucht ein klares Bekenntnis aller Akteurinnen und Akteure entlang der Wertschöpfungskette zu regionalen Lebensmitteln. Nur so schaffen wir den grünen Systemwandel!“

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